Astrokalender Sternenlichter 2023

Die 39. Ausgabe des Astrokalenders „Sternenlichter“ hat dieses Mal einen zauberhaften Schwerpunkt. Die schönen Künste und die Horoskope von Künstlerinnen und Künstlern begleiten durch das Jahr. Der erste Artikel ist Berthe Morisot gewidmet, aber natürlich taucht zum Frühlingsbeginn – passend zum Titelbild – Vincent van Gogh mit seiner Widder-Sonne auf.

Wer den Astrokalender schon kennt, weiß es: die Wechsel der langsam laufenden Planeten in das nächste Zeichen werden in Extra-Kapitelkn abgehandelt – und da stehen uns in 2023 zwei markante Wechsel bevor. Saturn tritt ins Zeichen Fische und bleibt dort bis 2026. Pluto schenkt uns einen ersten Einblick in die Jahrzehnte, in denen er im Wassermann unterwegs ist, denn ab dem 23. März bewegt er sich für knapp drei Monate auf dem ersten Grad des elften Zeichens.

Die täglichen Ephemeriden mit allen wichtigen Aspekten sind besonders für Stundenhoroskope hilfreich. Und wer im Anhang blättert, findet dort die Ephemeriden der Kleinplaneten mit Stichworten zur Bedeutung und außerdem die wichtigsten Transneptuner.

Der Kalender kann direkt beim Chiron-Verlag bestellt werden oder in der Buchhandlung Ihres Vertrauens. Die Herausgeberin und der Chironverlag freuen sich, wenn nicht beim großen A bestellt wird. Denn Jeff Bezos ist reich genug und die kleinen Buchhandlungen und Verlage sollen überleben.

Mars im Rückwärtsgang

Wenn heute mittag, einen Tag vor Halloween, der stürmische Mars seinen Rückwärtsgang einlegt, beginnt eine Phase von zweieinhalb Monaten, in denen es sinnvoll sein kann, innezuhalten und angestrebte Ziele noch einmal zu überdenken.

Bekanntlich laufen alle Planeten bis auf Sonne und Mond in regelmäßigen Rhythmen für eine Weile am Himmel zurück. Dieses Phänomen beruht darauf, dass wir die Bewegungen der Gestirne von der Erde aus beobachten.

In der Astrologie sind nun ein ganze Reihe von Regeln und Empfehlungen mit den Retrophasen der Planeten verbunden. Im Geburtshoroskop sollen sie auf karmische Belastungen hinweisen und traditionell gelten sie als geschwächt, bei Merkur sollen wir keine Verträge unterschreiben und wenn Mars alle zwei Jahre rückläufig wird, sollte man jede Form von Auseinandersetzung vermeiden und keinen Neustart wagen.

Genau genommen heißt Rückläufigkeit aber schlicht und einfach nur, dass ein Planet eine bestimmte Strecke im Tierkreis mehrfach besucht. Denn bevor er an einem bestimmten Punkt rückläufig wird und dabei im Fall von Mars rund 18 Grad zurückwandert, hat er genau dieses Stück seines Weges bereits einmal vorwärts durchlaufen und wird am Ende seiner Retrophase erneut vorwärts und ein drittes Mal diese Wegstrecke machen.

Wie im wirklichen Leben haben wir nun die Gelegenheit, ein Thema mehr als einmal anzugucken, etwas zu begreifen, indem wir zurückschauen und uns fragen, woher wir kommen. Vor allem die langen Retrophasen der langsam laufenden Planeten erzählen darüber, dass Leben und Lernen nicht immer straight vorwärts passiert. Manchmal müssen wir Umwege machen oder landen in Warteschleifen. Und das ist gut so, auch wenn uns die Gesellschaft erzählt, dass wir ohne Atempause vorwärts rennen sollen.

Im Fall von Mars beginnt der Weg zurück bei 25 Grad und 37 Minuten im Zeichen Zwillinge. Am 12. Januar, wenn er seine Station erreicht, also stehenbleibt, um dann wieder vorwärts zu laufen, befindet er sich auf 8 Grad und 6 Bogenminuten. Doch die gesamte Schleife, die er läuft, begann schon am 1. September, denn an diesem Tag stand Mars genau auf 8 Grad. Erst am 16. März ist er dann erneut auf 25 Grad angekommen. Mars ist also alle zwei Jahre für ein halbes Jahr in einem sehr kleinen Teil des Tierkreise unterwegs. Selbst der ungestüme und stets leistungsbereite Mars lässt sich so viel Zeit, um einmal tief durchzuatmen, auszuatmen und sich auszuruhen.

im Herbst vor zwei Jahren wurde Mars in der zweiten Hälfte des Widders rückläufig und bildete mehrfach Quadrate zu Saturn und Pluto, entsprechend schlecht und gereizt war die allgemeine Stimmung am Ende des ersten Corona-Jahres. Dieses Mal befindet sich Mars im kommunikativen Zeichen Zwillinge und bildet über mehrere Wochen hinweg ein Quadrat zu Neptun. Es kann sinnvoll sein, in diesem Zeitraum verstärkt nach innen zu hören, vielleicht ein kurzes oder längeres Retreat im Schweigen einzuplanen. Oder einer vorhandenen Erschöpfung Raum zu geben und sich etwas mehr Ruhe zu gönnen.

Da sich in diesem Jahr die Retrophase von Mars über die Weihnachtsfeiertage und die Rauhnächte erstreckt, besteht hoffentlich für viele Menschen die Möglichkeit, die eigenen Ziele zu reflektieren und sich die Frage zu stellen, wofür ich mich einsetzen möchte. Außerdem ist jetzt eine gute Zeit, die vielen Umbrüche der letzten Jahre tiefer zu verarbeiten und sich innerlich neu auszurichten, In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine produktive Mars-Retrophase.

Bildnachweis: Die Darstellung des Liebespaares Venus und Mars hat Sandro Botticelli im 15. Jahrhundert gemalt. Mars-Ares, der Kriegsgott, hat seine Rüstung abgelegt, um es sich gemütlich zu machen. In der  Wikipedia ist dieses Gemälde als gemeinfrei verzeichnet.

 

 

 

 

 

Die Queen und ihr Horoskop

Ich gebe es zu, ich bin kein Fan von Königshäusern. Und anders als in Astroseminaren des UK spielen die Horoskope der Queen oder die von Charles, Camilla, Lady Di und ihren Söhnen und deren Kindern in meiner Astro-Schule keine große Rolle.

Doch seit Queen Elizabeth II. am 8. September im hohen Alter von 96 Jahren gestorben ist, kann selbst ich mich den zahlreichen Geschichten rund um das Leben dieser Monarchin nicht entziehen. Und so haben wir am Wochenende in der laufenden Astrologie-Ausbildung mit dem Thema Synastrie die Horoskope der Königin und ihres Gemahls Philip angeschaut und gedeutet.

Und siehe da, die beiden haben eine Konjunktion ihrer Monde im königlichen Zeichen des Löwen. Vermutlich haben sich die beiden ein Leben lang auch ohne Worte verstanden und waren einander auf einer sehr tiefen Ebene verbunden.

Queen Elizabeth II. Queen of UK, 21. April 1926, 2.40 Uhr (WET/S), London, GB
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Prince Philip Duke of Edinburgh, 10. Juni 1921, 10.00 EET, Mon Repos, GR
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Mein Kollege Martin Sebastian Moritz hat übrigens ein sehr schönes Astroportrait der Queen auf seine Seite gestellt und die beiden Damen Susanne Riedl-Plenio und Eva-Christine Wetterer haben in den vergangenen Jahren bereits etliche Artikel rund um das britische Königshaus publiziert. Wer astrologisch tiefer ins Thema einsteigen möchte, wird also hier und dort fündig. Und noch ein Hinweis für royale Forschungsprojekte. Es kursiert ein genauer Todeszeitpunkt im Netz und hier sind die Daten: 8. September 2022, 14.37 Uhr (BST), Ballater, UK. Die Uhrzeit habe ich einem FB-Beitrag meines Kollegen Christian König entnommen und er nennt seine Quelle, nämlich Victor Oliver, Chefredakteur des „Astrological Journal“, einer Zeitschrift der Astrological Association, die wiederum das englische Pendant zum Deutschen Astrologenverband (DAV) ist.

Eine weitere Uhrzeit ist drei Wochen nach dem Tod der Queen publiziert worden, und zwar handelt es sich um einen Totenschein, den das schottische Nationalarchiv veröffentlich hat. Hier wird der Todeszeitpunkt mit 15.10 Uhr (UT) angegeben. Diese Informationen habe ich der Kollegin Helga Sobek zu verdanken, sie schickte einen Artikel-Link.

Die Transite dieses Tages in ihrer Beziehung zum Horoskop der Queen sind aufschlussreich. Eine Konjunktion von Mond und Saturn läuft gerade über ihre Mars-Jupiter-Konjunktion im Wassermann im ersten Haus. Es dürfte spannend sein, das lange Leben und die einzelnen Etappen dieser langen Lebensreise astrologisch zu untersuchen. Informationen gibt es aktuell zur Genüge, man muss nur kurz einen Blick in die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender werfen oder bei den BBC News vorbeischauen.

 

Pluto und das Horoskop von Fritz Brunhübner

Fritz Brunhübner ist ein älterer Astrologe, der das erste Buch über Pluto nach dessen Entdeckung im Jahr 1930 geschrieben hat. Es erschien 1935 in der ersten Auflage, wurde sogar ins Englische übersetzt und 1953 vom Verlag Richard Schikowski erneut aufgelegt. Brunhübner verstand Pluto als den Planeten des Nationalsozialismus und zeichnete ein eher düsteres Bild dieses neu entdeckten Planeten.

1894 geboren zählte er zu der Generation mit einer Neptun-Pluto-Konjunktion im Zeichen Zwillinge. Es ist schon sehr lange her, da besuchte ich ein Seminar bei Peter Urban und Ingrid Zinnel in Frankfurt. Peter wies seinerzeit darauf hin, dass etliche Größen des Naziregimes diese Konjunktion in ihrem Horoskop haben. Wir finden sie aber natürlich auch bei Künstlerinnen wie Hannah Höch, Ärztinnen wie Dr. Olga von Ungern-Sternberg oder Psychologinnen wie Anna Freud.

Fritz Brunhübner, 3. Juli 1894, 10.46 Uhr (MEZ), Nürnberg, D
Datenquelle: Astrowiki des Astrodienstes in Zürich

Bemerkenswert erscheint mir neben der Generationskonstellation von Neptun und Pluto das minutengenaue Trigon von Sonne zu Uranus, denn Uranus ist bekanntlich der Planet der Astrolog*innen. Seit seiner Entdeckung 1781 hat er Merkur-Hermes als Schutzgott der Sterndeuter abgelöst.

Fritz Brunhübner begegnete mir in der letzten Woche, als ich an meinem Vortrag für den nächsten Kongress des Astrologenverbandes gearbeitet habe. Er zählte nämlich zu den 35 Gründungsmitgliedern des DAV und war offensichtlich in den ersten Jahren aktives Verbandsmitglied. Sein Pluto-Buch finde ich übrigens sehr inspirierend, nicht nur weil er sich im Vorwort auf Tycho Brahe beruft, den unermüdlichen Beobachter der Marsbahn vor rund 450 Jahren. Sondern vor allem weil er mit seinen ersten Forschungen nur anregen möchte und nicht etwa den Anspruch erhebt, dass seine Erfahrungen die einzig richtigen seien.

Tatsächlich ist er (1935 und ebenso 1953) der Meinung, dass wir mit der Deutung Plutos völliges Neuland vor uns haben und dass lange Jahrzehnte der Forschung nötig sein werden, um das Wesen und die Wirkung Plutos zu erfassen. Seiner Meinung nach braucht es dafür einen gesamten Umlauf Plutos von 248 Jahren. Davon haben wir heute gerade mal die ersten 92 Jahre geschafft. Man wünscht sich solche Bescheidenheit (mit einem Jupiter am MC!) bei einer ganze Reihe von Kollegen, die sich als Verfechter der einzig richtigen Deutung oder Methode verstehen und ihre Assoziationen zu neu entdeckten Himmelskörpern als unumstößliche Wahrheit verkaufen.

Geburtszeitkorrektur – ganz einfach

Die Korrektur der Geburtszeit ist der heilige Gral der professionellen Astrologieszene. Es gibt Kollegen, die behaupten, vor jeder Beratung erst eine Korrektur der Geburtszeit vorzunehmen. Dazu sind mehr oder weniger komplizierte Berechnungen und Verfahren nötig, die sogenannte Hermeswaage wird gerne genutzt, außerdem eine Vorkorrektur über Transite – und die hohe Kunst besteht in der Anwendung von direkt oder konvers dirigierten Hauptachsen, wie sie mein Kollege Christoph Schubert-Weller in seinem Buch anschaulich erklärt.

Für die Korrektur einer ungenauen Geburtszeitangabe sind vier bis fünf einschneidende Daten aus der Biografie des Menschen nötig. Dann wird gerechnet, welche Konstellationen des Horoskops zu welchen Zeiten ausgelöst worden sind. Manchmal aber ist es sehr leicht, die Angabe einer Geburtszeit zu korrigieren, wie ich in der vergangenen Woche erlebte. Es ist vor allem die genaue Berechnung des Aszendenten (und der folgenden Häuser), die von der Geburtszeit abhängig ist. Dieser markante Anfangs-Punkt in jedem Horoskop bewegt sich pi mal Daumen alle vier Minuten ca. ein Grad weiter. So kann es es immer mal wieder dazu kommen, dass ein Aszendent auf der Kippe von zwei Zeichen steht.

In diesem Fall war es so, dass ich eine Geburtszeit von 14.55 Uhr mitgeteilt bekam und meine Astrosoftware einen Aszendenten (AC) bei 0 Grad 44 Minuten im Zeichen Krebs errechnete. Nun ist der AC aber nicht nur die Anfangsenergie, mit der ein Mensch in alle neuen Situationen des Lebens hineingeht; der AC beschreibt auch unser Auftreten und das, was C.G. Jung die Persona genannt hat. Er lässt Rückschlüsse auf die körperliche Konstitution zu und selbst die Physiognomie des menschlichen Gesichts lässt sich aus der AC-Position ableiten.

Und da die Frau, die letzte Woche meine Praxis betrat, eher groß, dünn und feingliedrig war, habe ich sofort vermutet, dass sie eher ein Zwillinge- als ein Krebs-Aszendent sein könnte und habe nachgefragt, wie gesichert die Zeitangabe von 14.55 Uhr ist. Und ob es sein könnte, dass ihre Geburtszeit vielleicht zehn Minuten früher liegt. Nach der Beratung hat die Frau beim Standesamt ihres Geburtsortes angerufen und siehed da – es war eine Zeit von 14.45 Uhr notiert. Der Aszendent liegt damit bei 28 Grad 25 Minuten im Zeichen Zwillinge.

Planetenweg am Main in der Nähe von Hanau

Um Pfingsten herum war ich im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Am Samstag fand das wunderschöne Astrofest der Darmstädter Astrologieszene statt, in Seeheim-Malchen, also im Umland von Darmstadt. In den Tagen davor habe ich einige Radtouren gemacht und als ich am Main von Frankfurt nach Seligenstadt entlang radelte, entdeckte ich einen weiteren Planetenweg.

Er ist mir erst aufgefallen, als ich auf der Höhe der Staustufe Krotzenburg einen hellglänzenden Jupiter am Wegesrand sah. Dann habe ich natürlich auf weitere Planeten gemacht und sowohl bei Saturn als auch zuletzt bei Pluto kurz angehalten. Da waren wir dann auch schon fast am Ziel unsere Tour, nämlich in Seligenstadt angekommen.

Ähnlich wie bei vielen anderen Planetenwegen (es soll insgesamt rund 90 in ganz Deutschland geben) hat auch hier eine Schulklasse diesen Weg als Projekt verwirklicht. Er besteht seit 1988 und beginnt in Hainstadt mit der Sonne. Was mir an diesem Weg gut gefallen hat: nicht nur die Abstände zwischen den einzelnen Planeten sind maßstabsgerecht, auch die Planeten selbst, die auf kleinen Stelen montiert sind, werden in ihrem Größenverhältnis zueinander korrekt abgebildet. Und offenbar haben hier noch keine Vandalen irgendeinen Planeten geklaut.

Astrofans werden sich sicher auch freuen, dass Planet Pluto nicht entfernt wurde, auch wenn ihn die Internationale Astronomische Union (IAU) zum Zwergplaneten degradiert hat.

Und wer einmal am Main entlang nach Seligenstadt radeln möchte und sich für mittelalterliche Heilkunde interessiert, sollte unbedingt den Kräutergarten des Benediktinerklosters in Seligenstadt besuchen. Es ist eine sehr gepflegte Anlage mit allen Kräutern, die zudem nach ihrer Heilwirkung für einzelne Organe oder Funktionszusammenhänge im Körper angeordnet sind.

Jupiter trifft Neptun

In der Astrologie wird das Aufeinandertreffen der langsamen Planeten immer mit einer besonderen Zeitqualität verbunden, War es im Januar 2020 die Konjunktion von Saturn und Pluto, die eine Zeitenwende markierte, so begegnen sich am Dienstag, den 12. April die beiden Planeten Jupiter und Neptun im Zeichen der Fische.

Neptun bleibt ungefähr 14 Jahre in einem Zeichen, Jupiter ist schneller, er braucht 12 Jahre für eine gesamte Runde durch den Tierkreis und bleibt für jeweils ein Jahr in einem Zeichen. Neptun wurde erst 1846 entdeckt, damals stand er auf den letzten Graden im Wassermann. Im März 1856 bildete er bereits einmal eine Konjunktion mit Jupiter in den Fischen. Während 1856 insbesondere im Ruhrgebiet die Industrialisierung durch den Bergbau das Leben der Menschen und die Landschaft tiefgreifend verändern sollte, befinden wir uns nun in einer Epoche, in der wir uns immer bewusster wird, dass die Zerstörung der Erde und die Ausbeutung aller Ressourcen ein Ende finden muss.


Konjunktion Jupiter-Neptun, 12. April 2022, 16.43 Uhr (MESZ), Bochum, D

In diesen Zeiten der Krise ist das Zusammentreffen von Neptun und Jupiter ein Zeichen der Hoffnung. Fische als letztes Zeichen im Tierkreis erinnert uns daran, dass wir alle miteinander verbunden sind und dass in jedem Menschen eine Sehnsucht nach Frieden lebt. Jupiter als die Kraft des Optimismus (jaja, ich weiß auch der Übertreibung) erinnert in Verbindung mit Neptun daran, dass es uns gut geht, wenn wir in einer Atmosphäre von Freundlichkeit und Wohlwollen mit anderen Menschen leben können.

Man kann diese Konstellation natürlich auch anders lesen: Neptun als griechischer Poseidon und Herrscher der Meere symbolisiert jede Art von Überflutung, also auch die Flutkatastrophen oder Starkregenfälle. Und Jupiter als Zeus und oberster Gott im Olymp nimmt den Mund gerne mal zu voll, verspricht mehr als er halten kann. Doch liegt es nicht auch ein Stück weit an uns, wie wir mit dem Kräften der Planeten umgehen? Es erscheint umso wichtiger, auch und gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, mit dem Wissen um den Klimawandel und weitere Katastrophen, die Zuversicht zu nähren und sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen, jede und jeder in seiner kleinen Welt.

Ein Teil der Astrologieszene wird am Dienstag zwischen 16 und 17 Uhr einem Aufruf meiner Kollegin Heidi Treier aus Köln folgen, und in dieser Zeit für den Frieden meditieren. Das ist einer von vielen kleinen Schritten, andere Freunde von mir arbeiten ehrenamtlich am Berliner Hauptbahnhof und begleiten Flüchtlinge aus der Ukraine bei ihrer Ankunft. Meine Nichte und ihr Mann betreiben trotz aller Widrigkeiten und Auflagen einen Biohof und Freundinnen von mir bauen ihr Gemüse im Schrebergarten an.

Vielleicht reicht das alles nicht aus, die Zerstörung der Erde durch die Menschen aufzuhalten. Doch Jupiter, der die Hoffnung nährt und Neptun, der uns an das Verbunden-Sein erinnert, können Kraft geben, weiter an Idealen festzuhalten und sich dafür einzusetzen, dass es die kleinen Lichtblicke gibt. In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen einen friedlichen Dienstag mit dieser hoffnungsfrohen Konjunktion.

Und der Frühling kommt doch!

In den vergangenen Tagen, während die schrecklichen Nachrichten vom Krieg in der Ukraine das Corona-Thema in den Medien abgelöst haben, geht mir öfter ein Song von Ton, Steine, Scherben durch den Kopf… all die Lügen geben mir den Rest, halt Dich an deiner Liebe fest!

 

 

In meinen Beratungen der letzten Wochen ging es oft um Fake News und die Frage, was denn nun die Wahrheit ist, wer lügt und wo überall gelogen wird. Und vermutlich bedarf es nicht nur einer gehörigen Portion Medienkompetenz, um Krisensituationen realistisch einzuschätzen. Die allgemeine Verunsicherung ist groß und die Angst der Menschen in all den apokalyptischem Szenarien ist greifbar.

Was kann da noch Halt geben? Der Scherben-Song ist eigentlich ein Liebeslied, ein Lied über die Einsamkeit derjenigen, die verlassen wurden. Doch der Refrain funktioniert wie ein Motto oder Mantra in schwierigen Zeiten. Ich bin mir sicher, dass sich viele Menschen Frieden wünschen. Auch wenn gerade die Kriegstreiber Oberhand gewinnen.

 

 

Was hilft ist sich immer wieder an das zu erinnern, was trägt und in belastenden und angstmachenden Momenten das Schöne und Gute bewusst zu suchen. Da sind die ersten Frühlingsboten mit den blühenden Krokuswiesen. Da ist die schmale Sichel des Mondes, die gestern nach einem sonnig-kalten Tag am Abendhimmel erschien. Und da sind die vielen Menschen, die helfen und helfen wollen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass es gelingt, sich mindestens einen Hauch von Zuversicht zu bewahren und in schwierigen Stunden Freunde zu haben, die das Leid und die Angst mit uns teilen.

Und wenn in den nächsten Tagen Astrologos stundenweise aus dem Netz verschwindet, ist hoffentlich nicht die Welt untergegangen. Denn hinter den Kulissen wird schon länger gewerkelt, um die gesamte Website für den nahenden Frühling in ein schönes neues Gewand zu kleiden.

 

Thomas Ring in Witten

Wir schreiben das Jahr 1983. Ich unterrichtete bereits seit zwei Jahren Astrologie, in Abendkursen, acht Termine à anderthalb Stunden. Ich hatte Hans-Hinrich Taeger entdeckt, der zu dieser Zeit noch in Münster lebte und ich studierte die Methoden der Huber-Schule und hatte den Astrolog, die Zeitschrift von Bruno und Louise Huber abonniert.

Der Name Thomas Ring war mir hingegen unbekannt. Auch den Astrologenverband, bei dessen Treffen Thomas Ring ein gern gesehener Gast war, kannte ich nicht. Und so verpasste ich die große Einzelausstellung von Thomas Ring im Märkischen Museum in Witten, die am 5. Februar 193 eröffnet wurde.

Es war seine vorletzte Ausstellung, wie man in der neu erschienenen Biografie von Elmar Schübl nachlesen kann. Ich bin sehr glücklich und froh, dieses Buch rezensieren zu dürfen. Denn Thomas Ring war nicht nur einer der bedeutendsten Astrologen des letzten Jahrhunderts, er war sein Leben lang bildender Künstler und so trägt diese Biografie zu Recht den Titel „Ich denke in Farbe, Form und Klang.“

Das Zitat stammt natürlich von Ring selbst und wird gleich zum Auftakt erwähnt. In acht Kapiteln folgt dann die Lebensgeschichte von Thomas Ring, die wie der Autor sagt, gleichzeitig eine Entdeckungsreise durch die Geistes- und Kulturgeschichte  des 20. Jahrhunderts darstellt. Und sie ist überaus spannend zu lesen.

Thomas Ring war im Berlin der zwanziger Jahre im Netzwerk der expressionistischen Kunstszene unterwegs, auch wenn er nicht zu den bekannten Größen dieser Zeit zählt, war er an vielen Ausstellungen beteiligt. Und ähnlich wie meine Lehrerin Olga von Ungern-Sternberg entdeckte auch er die Astrologie in dieser ersten Blütezeit einer deutschsprachigen Esoterikszene. Hier in Berlin lernte er seine erste Frau kennen, mit der er gemeinsam 1934 vor den Nazis nach Graz fliehen musste und die 1945 kurz vor Kriegsende im Gefangenenlager Saint-Sulpice-la-Pointe in seinen Armen starb.

Diese kurzen Angaben machen hoffentlich neugierig auf eine äußerst sorgfältig recherchierte und umfangreiche Lebensgeschichte. Vor allem aber zeigt diese Biografie, dass die Astrologie von Thomas Ring ihre Tiefe aus gelebten Erfahrungen und einer äußerst breiten Spanne von Glück und Leid bezieht. Mit seiner Schütze-Sonne hat tatsächlich in fast neunzig Lebensjahren einen ganz großen Bogen gespannt.

Wassermann-Sprüche und Francis Picabia

Ein beliebtes Zitat, an alle denkfaulen Menschen gerichtet, ist mir in den letzten zehn Jahren oft begegnet: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Es stammt vom Künstler und Fotografen Francis Picabia, der am 22. Januar 1879 in Paris geboren wurde.

Picabia begann als impressionistischer Maler, probierte den Kubismus und Fauvismus und wurde dann ein wichtiger Protagonist der Dada-Bewegung. Seine Talente sind breit gefächert, er malte nicht nur, sondern verfasste Texte und probierte die damals noch recht neue Kunstform der Fotografie aus.

Das Horoskop mit einer überaus starken Betonung des Zeichens Wassermann spiegelt diese ständige experimentelle Suche nach neuen Ausdrucksformen wider.

Francis Picabia, 22. Januar 1879, 8.00 Uhr (LMT), Paris, F
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Mit seinem Uranus als AC-Herrscher im siebten Haus liess er sich immer wieder von Freundinnen und Kollegen inspirieren und er gab anderen Menschen mit vielen seiner neuen Ideen einen Anstoß für Veränderungen. Sein Steinbock-Merkur steht für die Fähigkeit, präzise zu formulieren und mit wenigen Worten markante Aussagen zu treffen.

Mit Sicherheit war er ein Freigeist und wir Astrologinnen wundern uns nicht, wenn Picabia in einschlägigen Biografien als Exzentriker bezeichnet wird. Dazu passt auch ein weiterer seiner Aphorismen: „Jede Überzeugung ist eine Krankheit!“

Heute feiert dieser Avantgarde-Künstler seinen 143. Geburtstag. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die zeitlosen Zitate!

Bildquelle: Das Foto, das Francis Picabia in seinem Atelier zeigt und zwischen 1910 und 1915 aufgenommen wurde, ist in der Wikipedia als gemeinfrei verzeichnet.