Anfang des Monats habe ich an einem Symposium zu den Perspektiven der Sterndeutung in der Nähe von Basel teilgenommen. Da mein M.A. Abschluss mit einer Arbeit über Rudolf Steiners soziale Dreigliederung fast auf den Tag genau 40 Jahre zurücklag, fand ich es stimmig und an der Zeit, endlich das Goetheanum zu besuchen.
Dieser prachtvolle Bau, ca. 10 Kilometer südlich von Basel gelegen, ist die Pilgerstätte der Anthroposophen oder korrekter ausgedrückt der Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und gleichzeitig ein Festspielhaus. Zufall oder Plan? ich hätte am Tag meines Besuchs um 16 Uhr die Generalprobe für Faust 1 und 2 erleben können, ich war jedoch früh am Morgen dort, bei Temperaturen nahe der 40 Grad und zog es vor, am Nachmittag lieber noch einmal im Rhein zu schwimmen.
Doch das Gebäude, die Umgebung und die Atmosphäre oben auf dem Hügel, ca. 10 km südlich von Basel, hat mich berührt und beeindruckt. Der Bau aus Beton ist nach Entwürfen von Steiner selbst zwischen 1925 bis 1928 errichtet worden, nachdem das erste Goetheanum, das zu großen Teilen aus Holz gebaut worden war, in der Silvesternacht 1922/1923 durch Brandstiftung vernichtet wurde.
Um diesen weltbekannten Betonbau herum sind rund 180 weitere Gebäude entstanden, die man auf vier Architekturpfaden besichtigen kann, darunter eine Fachschule für anthroposophische Heilpädagogik und zahlreiche Wohnhäuser mit Ateliers. Allen Gebäuden ist gemeinsam, dass sie weitestgehend auf rechte Winkel verzichten und Steiners Lehre vom Wesen des organischen Bauens widerspiegeln.
Rudolf Steiner, 25. Februar 1861, 23.15 Uhr (LMT), Krajevec, Croatia
Datenquelle: Astrodatabank mit einem XX-Rating
Im Horoskop, dessen Geburtszeit umstritten ist, fällt die Venus im Wassermann auf, sie befindet sich gegenüber von Jupiter im Löwe nahe der Himmelsmitte. Man ist geneigt zu sagen, dass der seinerzeit innovative, expressionistische Baustil (Wassermann) mit seiner eigenen Ästhetik (Venus) monumental (Jupiter) und prächtig (Löwe) daherkommt und gleichzeitig zum Verweilen einlädt.
Zudem hatte ich das große Glück, dass eine Ausstellung zu Steiners Leben und Werk, die im März 2025 zum 100. Jahrestag seines Todes eröffnet wurde, bis 30. August diesen Jahres verlängert worden ist. So konnte ich die Stationen seines Lebens, die mich vor über 40 Jahren so lange Zeit beschäftigt haben, noch einmal nachvollziehen und mich sowohl an einem Foto des jungen Steiner erfreuen als auch an Dokumenten zu der Zeit um 1900, als er in der Berliner Kunst- und Literaturszene unterwegs war.
Sofern die hier abgebildete Geburtszeit stimmt (sie wurde von Steiner selbst in einem Brief mitgeteilt), befindet sich die Konjunktion von Neptun und Merkur im Zeichen Fische direkt an der Spitze des fünften Hauses. Vermutlich war Rudolf Steiner tatsächlich hellsichtig und empfindsam, aber mit seiner Sonne-Saturn-Opposition ist er im Laufe der Jahre ist unter den Anforderungen, die er sich selbst auferlegt hat und die an ihn gestellt wurden, verhärtet oder sollte man besser sagen versteinert. Ältere Fotos von ihm lassen jedenfalls vermuten, dass seine zarte Fische-Seele unter all der Last zusammengebrochen ist.
Dennoch bleibt sein Vermächtnis und auch wenn es heute berechtigte Kritik an seinen Ideen gibt (oder an der mangelnden Weiterentwicklung seiner Ideen), hat er wichtige Impulse in die Welt gesetzt und er war zweifelsohne ein großer Idealist.


