Stephen Arroyo ist ein amerikanischer Astrologe, dessen Bücher in hohen Auflagen erscheinen und weltweit gelesen werden. Gemeinsam mit Liz Greene gilt er als einer der Wegbereiter der modernen psychologischen Astrologie.
Stephen Arroyo, 6. Oktober 1946, 17.35 Uhr (CST), Kansas City, USA
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating
Merkur hat seine Rückläufigkeitsphase am Montag beendet. In den letzten Wochen durfte man wieder zahlreiche Beispiele für Merkur-Retro-Phänomene sammeln. (mehr …)
Vor einigen Tagen konnte ich mich einmal mehr von der Stimmigkeit astrologischer Symbole überzeugen. Im Gespräch mit einer Freundin tauchte das Thema Schwimmen auf und wir landeten bei Esther Williams und der Ästhetik eines Wasserballetts.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Dieses Jahr habe ich meinen Urlaub im holländischen Zeeland verbracht. Wie bei jeder Reise habe ich mir ein Abfahrthoroskop erstellt. Mit den Regeln der Stundenastrologie lassen sich nämlich Staus und andere Widrigkeiten während einer Reise vermeiden.
Zunächst ein paar kurze Anmerkungen zu den Regeln. (mehr …)
Pierre Bourdieu ist ein französischer Soziologe, der das Alltagsleben erforschte und in seinen Theorien subjektive Faktoren mit objektiven Gegebenheiten zu verbinden suchte.
Pierre Bourdieu, 1. August 1930, 1.00 Uhr (GDT), Denguin, F
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating
Analog dazu findet sich im Horoskop eine starke Besetzung der Wasserhäuser (die subjektiven Faktoren) mit einer Löwe-Sonne in Haus 4 und einem Aszendent in Zwillinge mit Mars im ersten Haus (Luft als Element der Objektivität). (mehr …)
Über die aktuelle Rezeption von Neptun und Uranus, politische und globale Konsequenzen und warum es unbedingt notwendig ist, quer zu denken, gegen den Strom zu schwimmen und rebellisch zu handeln.
Die „Hauptlichter“ und ihre Deutung im Horoskop
28. und 29. Mai 2005 in Bochum
Sonne und Mond sind die beiden großen polaren Kräfte in der Astrologie. Sie erzählen von der Notwendigkeit gelebter Autonomie (Sonne) und dem Drang, sich hinzugeben und fallen zu lassen (Mond).
Die psychologische Astrologie spricht hier von einem Erwachsenen-Ich und dem kindlichen Gefühls-Ich. Beide Pole sind gleichermaßen wichtig für unser Wohlbefinden, werden aber oft als unvereinbare Gegensätze erfahren.
Das Horoskop kann hier verschiedene Wege aufzeigen, wie wir Freiheit und Geborgenheit in Einklang bringen und den vermeintlichen Widerspruch von Mond und Sonne auflösen können. Ziel des Wochenendes ist es, die entsprechenden Deutungsmethoden kennen zu lernen und in der Beratungspraxis anzuwenden. Gleichzeitig geht es darum, Sonne und Mond im eigenen Horoskop zu erfahren.
„Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.“ Das Geburtshoroskop als ein umfassendes Symbol der Persönlichkeitsstruktur erlaubt es, diese Angst vor dem Licht und damit die Angst vor Glück, Fülle und Reichtum im Leben bewusst zu machen. Mit Hilfe gezielter astrologischer Methoden geht es an diesem Wochenende darum, die persönliche Vision eines erfüllten Lebens zu erkennen, ein Gespür für Wertvorstellungen und den eigenen Selbstwert zu bekommen. In einem zweiten Schritt werden Selbstbehinderungen und Blockaden in die Sichtbarkeit gebracht.
Ziel des Seminars ist es, ungelebte Potenziale für ein glückliches Leben zu entdecken – und den Mut, der Großartigkeit und Fülle des Lebens zu vertrauen.
Bitte bringen Sie ihr Geburtshoroskop mit. Falls Sie noch keines haben, geben Sie bitte bei der Anmeldung ihre Geburtsdaten (Tag, Jahr, Zeit und Ort) an.
Obiges Zitat stammt übrigens von Nelson Mandela, der unter dem südafrikanischen Apartheidsregime 27 Jahre seines Lebens in Gefangenschaft verbracht hat.
Die Idee der Polarität als ein Grundgesetz des Lebens ist in der asiatischen Philosophie tief verwurzelt. Im vierten Jahrhundert vor Christus entstanden die Lehren des Taoismus als philosophisches und zugleich religiöses System in China. Lao Tse und ZhuangZi gelten als ihre Begründer.
Nach Ansicht der Taoisten bildet der DAO oder TAO den Urgrund allen Seins. Die Lehre von den zwei Grundkräften Yin und Yang, die aus der Einheit des DAO entstehen, gehört ebenso zum Taoismus wie die fünf Elemente und das daraus entstehende System der Wandlungen. Indem die fünf Elemente sich wechselseitig beeinflussen, entstehen acht Trigramme.
Diese Trigramme können miteinander kombiniert werden und so entstehen insgesamt 64 Hexagramme, die wiederum im chinesischen Buch der Wandlungen, im I GING, ausführlich beschrieben werden. Damit ist das I Ging mehr als nur ein Orakelbuch, es beschreibt die Wechselwirkungen zwischen Makro- und Mikrokosmos und entspricht in seinen Kerngedanken dem berühmten „Panta Rhei“ des Heraklit. Soviel in aller Kürze zur chinesischen Philosophie.
Innerhalb dieser Kosmologie findet der Mensch seinen Platz und seine Aufgabe. Bemerkenswert ist die Einschätzung, dass der Mensch durch seinen Willen und sein Wissen fehlgeleitet werden kann. Deshalb sollte er lernen, die eigene Natur bedingungslos anzunehmen. Dies geschieht durch absichtsloses Nicht-Tun, das sogenannte WUWEI.
Yin und Yang als polare Grundkräfte
Die beiden Grundkräfte des Lebens Yin und Yang lassen sich wie folgt beschreiben: Yin ist Gestalt (also Körper) ohne Bewusstsein und Bewegung, Yang ist Bewusstsein und Energie, hat aber keine Gestalt und benötigt das Yin als Gefäß. Das Leben dauert nur solange, wie Yang das Yin bewegt und Yin dem Yang als Körper zur Verfügung steht; wenn die beiden Ursubstanzen sich trennen, steigt Yang in den Kosmos empor und Yin bleibt als tote Materie auf der Erde zurück. Einige Schlüsselbegriffe und ein Bild verdeutlichen die Polarität von Yin und Yang.
Yin
weiblich, dunkel, passiv, empfangend, feucht, Mond, Wasser, Wolken Tiger, Schildkröte, schwarz, der Norden, die geraden Zahlen
Yang
männlich, hell, aktiv schöpferisch, trocken, Sonne, Feuer Drachen, rot, der Süden, die ungeraden Zahlen
Unserem westlichen Denken erscheint diese Sichtweise zunächst fremd, da wir es gewohnt sind, das Leben zu meistern, indem wir analysieren, steuern und kontrollieren. Wir eignen uns Wissen an, um Probleme effektiv zu lösen. Wir setzen unsere Willenskraft ein, damit das Leben entlang unserer Ziele gestaltet werden kann. Und die taoistische Haltung des absichtslosen Nicht-Tuns wird leicht verwechselt mit Nichts-Tun, also mit der Unart, Probleme auszusitzen oder sich hängen zu lassen.
Hinzu kommt, dass wir aufgrund unserer Denkgewohnheiten schnell geneigt sind, Yin und Yang als statische Gegensätze zu begreifen. Dabei verkennen wir, dass es gerade die Veränderung ist, die den Kern der asiatischen Lehren bildet. Yin und Yang sind keine feindlichen, sondern polare Kräfte, die einander ergänzen. Die Wandlungszustände, das periodische Anwachsen und Abnehmen von Yin und Yang und deren Zusammenspiel sind Kennzeichen des Lebendigen, das Leben wird als Fluss und permanenter Prozess von Veränderungen erfahren.
Im menschlichen Körper lässt sich die Polarität von Yin und Yang gut beobachten, selbst die Wandlungszustände finden wir bei einigen Funktionen. Beispielsweise arbeitet das vegetative (oder autonome) Nervensystem mit zwei Gegenspielern, Sympathikus und Parasympathikus. Der Sympathikus sorgt dafür, dass sich der Mensch auf Arbeit und Leistung einstellt, er regt den Stoffwechsel an und setzt Energie frei.
Der Parasympathikus hingegen hat die Aufgabe, den Körper auf Ruhe und Erholung einzustellen, den Stoffwechsel zu bremsen, er regt die Verdauung an und sorgt so dafür, dass Nährstoffe gespeichert werden. Beide Gegenspieler sind immer gleichzeitig tätig, ergänzen sich aber in ihrer Arbeit. Tagsüber ist der Sympathikus bedeutend aktiver. Nachts und nach dem Essen überwiegen die Aktivitäten des Parasympathikus. Spannung und Anspannung bilden einen Pol des Lebens, Entspannung fungiert als Gegenpol.
Polaritäten im Tierkreis
Die chinesische Sichtweise von den Polaritäten des Lebens kann enorm befruchtend für eine westliche Astrologie sein. Festlegende Deutungen verändern sich, wenn wir zulassen, dass sich unsere Wahrnehmung von den Dingen ändert. In der praktischen, beratenden Arbeit wird der Blick mehr auf die Prozesse gerichtet und weniger auf statische Zustandsbeschreibungen.
Ich möchte am Beispiel des Tierkreises konkreter zeigen, was mit diesem „Kulturtransfer“ gemeint ist. Schon im frühen Altertum wurden die zwölf Zeichen abwechselnd als männlich und weiblich definiert.
Auf das männliche Feuerzeichen Widder folgt das weibliche Erdzeichen Stier, das Luftzeichen Zwillinge ist männlich, es folgt das weibliche Wasserzeichen Krebs. Das Feuerzeichen Löwe ist wiederum männlich, Jungfrau als Erdzeichen weiblich.
Die Feuer- und Luftzeichen (Widder, Löwe, Schütze und Zwillinge, Waage, Wassermann) entsprechen dem Yang-Pol, die Erd- und Wasserzeichen sind Yin-Kräfte.
Eine neue Perspektive entsteht, wenn die Oppositionen im Tierkreis, z.B. zwischen Feuer (Widder) und Luft (Waage) oder Erde (Stier) und Wasser (Skorpion) aus dem Blickwinkel des Taoismus betrachtet werden. Üblicherweise sind Oppositionen Hinweise auf Konflikte und Spannungen, die unangenehm sind und oft genug unlösbar erscheinen. Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust! Und sie verursachen Leid und Schmerz. Wenn die Spannung nicht ertragen werden kann, wird häufig ein Persönlichkeitsanteil abgespalten und ist dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich.
In einer von östlichen Weisheitslehren inspirierten Deutung bleiben die Oppositionen zwar immer noch Gegensätze, aber es fällt leichter, ein Problem oder eine Einseitigkeit als produktive Spannung zu begreifen. Der Blickwinkel ändert sich und es kann Hilfestellung geboten werden, damit der Mensch durch den Druck, den er verspürt, nicht mehr blockiert wird, sondern nach einem lebendigen Gleichgewicht der Gegensätze suchen kann.
Polaritäten in der astrologischen Praxis
In der praktischen Deutungsarbeit sind dazu drei Schritte notwendig.
1. Ein Ungleichgewicht wird im Horoskop festgestellt, beispielsweise ist ein Tierkreiszeichen oder Haus durch eine starke Besetzung von Planeten überbetont.
2. Als nächstes wird das Zeichen oder Haus angeschaut, dass genau gegenüberliegt? Wie zeigen sich die Inhalte des unterbetonten Zeichens? Finden sich hier Lebensbereiche und Themen, die vermieden oder vielleicht sogar abgelehnt werden?
3. In einem dritten Schritt kann nach Lösungen gesucht werden, hierbei kann der ratsuchende Klient unterstützt werden, die Energien des nicht gelebten Zeichens wachzurufen, idealerweise muss er dabei nicht frontal die angstbesetzten Themen angehen. Es geht vielmehr darum, Wege aufzuzeigen, wie das unterbetonte Prinzip gestärkt werden kann, so dass durch neue Aktivitäten ein ausgewogenes Miteinander der Polaritäten entstehen kann.
Polarität von Widder und Waage im Tierkreis
Am Beispiel der Widder-Waage-Achse im Horoskop soll diese Vorgehensweise erklärt werden. Das Thema der Widder-Waage-Achse manifestiert sich in folgendem Sprichwort: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
Anders ausgedrückt, ruft der Wunsch nach andauernder Harmonie stets den Gegenspieler, möglicherweise in Form eines bösen Nachbarn, auf den Plan. Hinter diesem Sprichwort verbirgt sich deshalb auch die Einsicht, dass eine harmonische Atmosphäre nur dann echt ist, wenn Konflikte ausgetragen werden, andernfalls bildet sich eine Scheinharmonie, die meist damit einhergeht, dass Konflikte unter den Teppich gekehrt werden – und dort munter weiterbrodeln.
Häufig finden wir beim Waage-betonten Menschen eine Angst vor Auseinandersetzung und Streit. Um die Widder-Energie zu stärken, empfiehlt sich beispielsweise jede Art von Leistungssport, Kampfsport oder körperliche Bewegung. Aber auch die Farbe Rot oder eine scharf gewürzte Mahlzeit bringt die Kraft des Widders ins Leben. Ferrum sidereum (Meteoreisen) ist ein anthroposophisches Heilmittel und kann wie alle anderen Ferrum-Mittel die Widder-Anteile stärken und beleben. So ist das homöopathische Eisen (Ferrum metallicum) ein erprobtes Mittel bei Anämie, einem Krankheitsbild, das wiederum mit einem Mangel an roten Blutkörperchen einhergeht.
Mit den Analogieketten zu den zwölf Zeichen verfügt jede praktizierende AstrologIn über ein breites Spektrum an Hinweisen, wie einzelne Prinzipien gestärkt werden können. So lassen sich im Gespräch mit Klienten verschiedenste Lösungsvorschläge erarbeiten und Wege aufzeigen, wie die Lernaufgabe einer Opposition kreativ bewältigt werden kann.
Es folgen einige Ideen und Stichworte zu den anderen Polaritäten im Tierkreis.
Stier und Skorpion
Sinnlicher Genuss ist eine wunderbare Sache, wenn ich den passenden Zeitpunkt finde, um aufzuhören. Die Gier nach immer mehr ist ebenso hinderlich wie die asketische Verweigerung der lustvollen Seiten des Lebens. Es geht darum die schönen Dinge des Lebens im Hier und Jetzt zu genießen, ohne sie für alle Ewigkeiten festzuhalten zu wollen.
Zwillinge und Schütze
Man kann tausend Bücher lesen, ohne schlauer zu werden. Der Versuch, alle Facetten eines Themas zu erfassen, wird zu Verwirrung und Verzettelung führen, wenn es nicht gelingt, ein sinnvolles Ordnungsschema zu finden Es geht darum, eine persönliche Philosophie zu entwickeln, in der die unzähligen Details, die gesammelt werden, als Puzzleteile und Bausteine eines größeren Ganzen gesehen werden.
Krebs und Steinbock
Gefühl und Härte sind zwei Seiten einer Medaille. Die Fähigkeit zur emotionalen Distanz und ein gesundes Maß an Eigenverantwortung sind Voraussetzungen, um echte Nähe mit anderen Menschen zu teilen. Der Wunsch, sich am Partner festzuhalten, das Anklammern beruht oft auf einer Angst vor dem Allein-Sein, für gewöhnlich führt die übergroße Abhängigkeit jedoch beim Gegenüber zu einem deutlichen Nein und zur Abwehr von Nähe.
Löwe und Wassermann
Teamfähigkeit und gleichberechtigtes Miteinander kann nur entstehen, wenn sich selbständige Individuen zu gemeinsamem Handeln und Tun entschließen. Andernfalls findet man immer wieder einen Leitwolf inmitten einer Herde von Schafen, die den Anführer suchen.
Jungfrau und Fische
Die alltäglichen und zuweilen als lästig empfundenen Pflichten erscheinen erst dann als sinnvoll, wenn der Zugang zur tieferen Bedeutung der Arbeit gefunden wird, wenn die Pflichterfüllung in einen sinnstiftenden Kontext gestellt wird.
Dieser Artikel erschien in der 38. Ausgabe der Astrologiezeitschrift “Astroforum Sternzeit” Anfang 2009.
Zu den Bildquellen:
Das erste Bild mit den acht Trigrammen des I Ging ist der Wikipedia entnommen.
Am 24. November 1995 feierte Frau Dr. med. Olga von Ungern-Sternberg ihren hundertsten Geburtstag. Viele DAV-Mitglieder, insbesondere ältere Kollegen und Kolleginnen, kannten sie als Vortrags-Rednerin von den Astrologie-Kongressen in den siebziger und achtziger Jahren.
Als homöopathische Ärztin hat Frau Ungern-Sternberg bis zu ihrem 93. Lebensjahr täglich Patienten behandelt. Jeden Freitag abend hielt sie in ihrer Praxis astrologische Vorträge über die Horoskope berühmter Persönlichkeiten. Nach einer schweren Krankheit zog sich die Doktorin ab 1989 allmählich aus der Praxisarbeit zurück und übergab zum 1. Januar 1994 ihre Praxis offiziell an eine Nachfolgerin.
Kindheit und Jugend
Am 24. November 1895 um 12 Uhr 56 (GMT) wurde sie als Olga Thümmel in Berlin-Lichterfelde geboren.
Ihr Vater war als Offizier im Dienste des preußischen Königs tätig. Er starb in den ersten Monaten des ersten Weltkrieges. Wie die gesamte geistige Elite Deutschlands, so hat auch Frau von Ungern-Sternberg den Beginn des ersten Weltkrieges als einen ungeheuren Einbruch erlebt, alle Jugendfreunde und ihr Vater starben in diesem Krieg.
Sie selbst absolvierte zu Kriegsbeginn eine Pflegeausbildung und arbeitete als Rote-Kreuz Schwester im Lazarett. 1916 begann sie als eine der ersten Frauen in Deutschland ein Medizinstudium, 1920 machte sie ihr Staatsexamen und ließ sich anschließend in München bei Dr. Freiherr von Gebsattel zur Psychotherapeutin ausbilden.
Die golden zwanziger Jahre
Im Verlauf der nächsten Jahre entwickelte sie die Grundzüge ihres Weltbildes und darauf aufbauend ihrer therapeutischen Arbeit. Das Jahr 1923 spielte hier eine wichtige Rolle, zunächst entdeckte sie die Astrologie und oft beschrieb sie selbst diese Entdeckung als ein Schlüsselerlebnis, das ihr zum einen half, die Schrecken des Krieges zu verarbeiten, zum anderen fühlte sie sich gleich vertraut mit der astrologischen Bildersprache: „Es war so, als ob ich mich nur erinnern müßte.“ Sie fand in den Bildern der Astrologie eine Beziehung zum Kosmos und hat ein Leben lang dieses Wissen als eine innere Kraftquelle für sich nutzen können.
Außerdem heiratete sie 1923 den Freiherrn von Ungern-Sternberg. Und lernte im selben Jahr Graf Hermann Keyserling kennen, der sie mit den Pionieren der damaligen „spirituellen Szene“ bekannt machte. In Keyserlings „Schule der Weisheit“ hielt Frau Dr. von Ungern-Sternberg auch einen ihrer ersten Vorträge, und zwar zur einheitlichen Wirklichkeit des biologischen und psychischen Geschehens. Diese Thematik bildete auch den Kern ihres 1928 erschienenen Buches „Die innerseelische Erfahrungswelt am Bilde der Astrologie“.
In diesem Buch entwickelte sie Grundlagen einer psychologischen Astrologie in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen psychoanalytischen Richtungen der zwanziger Jahre.
Die Leipziger Jahre
1929 ging sie nach Leipzig, um nach Jahren der klinischen Arbeit und Urlaubs-Vertretungen für andere Ärzte eine eigene Praxis zu gründen. Ein Jahr später wurde ihr Sohn Manfred geboren, der heute in Detmold als homöopathischer Arzt arbeitet. Hier in Leipzig blieb Frau von Ungern-Sternberg bis 1955. Unbeeinflußt von äußeren Widrigkeiten arbeitete sie als praktische Ärztin und Psychotherapeutin. Kurz nachdem sie sich niedergelassen hatte, begegnete sie zunächst der Homöopathie und dann der anthroposophischen Medizin.
Und ebenso intuitiv, wie sie sich die Astrologie angeeignet hatte, lernte sie nun mit den potenzierten Mitteln die kranken Menschen zu behandeln. Sie war sehr erfolgreich und beliebt als Ärztin und oft arbeitete sie bis spät in die Nacht, um noch Patientenhoroskope fertigzustellen oder die griechische Mythologie zu studieren.
Denn schon in den dreißiger Jahren arbeitete sie an einer astropsychologischen Deutung der 12 Taten des Herakles, die dann in ihrem wohl wichtigsten Buch unter dem Titel Grundlagen kosmischen Ich-Bewußtseins (1977) erschien.
Als unter dem Nationalsozialismus die Astrologie verboten wurde, verlegte sie ihre astrologische Tätigkeit in die Nachtstunden. Nur wenige Vertraute wussten von den geistigen Grundlagen ihres ärztlichen Schaffens.
Nach der Gründung der DDR wurde ihre Arbeit erneut behindert, dieses Mal durch ein Verbot der anthroposophischen Heilmittel. Über viele Jahre wurden diese nun heimlich in den Osten gebracht. Die Firmen Wala und Weleda verzichteten auf eine Bezahlung, um die Arbeit der Doktorin zu unterstützen.
1955 wurde ihr die Atmosphäre in der „Ostzone“ zu unfrei, wie sie selbst gerne erklärte. Im Alter von sechzig Jahren, nach der zweiten Saturn-Wiederkehr, verließ sie Leipzig mit zwei Koffern, nachdem sie zuvor das Orakel des I Ging befragt und das I Ging mit dem Zeichen Nr. 4 Mong/Die Jugendtorheit geantwortet hatte.
Zunächst fuhr sie nach München zu ihrem Sohn, der dort Medizin studierte. Als dann einige Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft in Bochum ihr Praxisräume anbieten konnten, kam sie nach Bochum in die Kortumstraße 25, wo sie bis 1997 leben und praktizieren sollte.
Die Bochumer Jahre
In Bochum begann ein neuer Abschnitt ihres Tuns, nachdem sie Mitte der sechziger Jahre auf einer Tagung von Ärzten und Seelsorgern Hermann Weidelener kennenlernte. Weidelener war ein Schüler Rudolf Steiners und hatte in Augsburg die Religionsphilosophische Arbeitsgemeinschaft begründet. Zwei verwandte Seelen und Geister trafen aufeinander und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft und Verbindung.
Hermann Weidelener lud sie ein, auf Schloß Weidenkam Vorträge über die griechische Mythologie zu halten. Und nachdem dort eine Vortragsreihe stattgefunden hatte, war der Impuls für die Vortragstätigkeit der nächsten zwanzig Jahre und die Buchveröffentlichungen 1977 und 1983 gegeben.
Obwohl für Astrologen die Sternenschrift im Heraklesmythos (so lautet der Titel der zweiten Auflage) auf den ersten Blick ergiebiger erscheint, lohnt es sich doch auch, die Sternenschrift im Gralsgeschehen zu lesen. Nicht zuletzt ist die Geschichte vom heiligen Gral und das Wissen um dieses Symbol für Frau von Ungern-Sternberg selbst eine lebenslange Kraftquelle gewesen. Außerdem erzählen die Geschichten vom Fischerkönig Amfortas und Parzifal, dem „tumbem Toren“ in bildhafter Form vom Weg der Selbstentwicklung, von Krankheiten und dem Heilwerden, kurz von den Themen und Fragestellungen, die im Zentrum des Leben von Frau Dr. von Ungern-Sternberg gestanden haben.
Dieser Artikel wurde im Herbst 1995 in der Astrologie-Zeitschrift Meridian-Magazin veröffentlicht, Anlass war der 100. Geburtstag von Frau von Ungern-Sternberg. Es war der erste Artikel zum Start von Astrologos am 18. Juli 2002.
P.S. Frau von Ungern-Sternberg verstarb am 22.11.1997. Einen Nachruf können Sie auf den Seiten des Online-Magazins Sternwelten lesen.