Genossin Sonne. Über Sonnenstürme und Revolutionen

Hand auf`s Herz. Wer von meinen Kolleginnen und Kollegen kennt Alexander L. Chizhevsky? Chithevsky wurde am 7. Februar 1897 geboren und war ein russischer Dichter und Maler. Er gehörte zur Gruppe der Kosmisten und hat als Biophysiker den Zusammenhang zwischen Sonnenstürmen und revolutionären Ereignissen erforscht. Sein Geburtsdatum ist der 7. Februar 1897, eine Geburtszeit ist nicht überliefert.

In der Ausstellung „Genossin Sonne“ im Dortmunder U läuft findet man direkt im Eingangsbereich eine große Wand. Sie illustriert, wie die Eruptionen der Sonne, die zum Phänomen der Sonnenstürmen führe, mit politischen Unruhen und Revolutionen einhergehen. Das alleine ist schon spannend genug, zumal der Eintritt in diesen Bereich der Ausstellung kostenlos ist.

Doch auch die zweite und kostenpflichtige Etage mit jeder Menge Videokunst, mit bewegten Objekten und Bildern lohnt sich. Neben der Darstellung des Tierkreiszeichens Zwillinge ist ein „richtiges“ Horoskop zu sehen, Marina Pinsky hat das ausgedruckte Horoskop für den 15. Juni 2015 künstlerisch bearbeitet. Sieben Aluminiumscheiben, die von der Decke hängen sollen gemeinsam mit diesem Horoskop zeigen, wie Menschen den geheimnisvollen Zusammenhang zwischen oben und unten erforschten und den Himmel kartografiert haben. Einen Schritt weiter sind alchemistische Zeichnungen zu sehen. Suzanne Treister hat hier die Titelseiten von internationalen Tageszeitungen umgewandelt und verfremdet.

Allein schon die Titel der meisten Werke wie „The New Sun“ oder „Chroniques Du Soleil Noir“ verraten, worum es in dieser Schau geht. Alles kreist um die Sonne und sie wird in ihrer Rolle als Mittelpunkt unseres Planetensystems aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Ihr energiespendendes Potenzial, ihr Licht, ihre Wärme und ihre Bedeutung für das Leben auf der Erde wird sichtbar gemacht, beispielsweise in einer Installation von Katharina Sieverding, die aus 200.000 Satellitenaufnahmen der Sonne besteht.

Besonders gut haben mir die Objekte von Sonia Leimer gefallen. Ihre Space Junk Skulpturen bestehen aus Abfällen des Weltraums, genauer aus Schrott von ausgedienten Satelliten und Raumschiffen, es sind die Überreste menschlicher Aktivitäten im All. im Flyer zur Ausstellung wird berichtet, das Leimer im Rahmen eines Projekts winzige Staubpartikel auf dem Dach des Wiener Naturkundemuseums untersuchte, um irdischen Müll von kosmischen Partikeln zu trennen. Wow!

Am Samstag, den 17. Januar gibt es um 15 Uhr eine Kuratorinnenführung. Leider endet die Ausstellung am Sonntag. Wer die Genossin Sonne vor Ort erleben möchte, sollte sich zügig auf den Weg nach Dortmund machen. Es lohnt sich.

Happy Birthday Tana Schanzara

Tana Schanzara ist im Ruhrgebiet eine Ikone, unsere „Perle aussem Pott“. In Bochum wird ihr 100. Geburtstag mit einer großen Feier im „Tanas“ gefeiert, dem Restaurant im Foyer der Kammerspiele, das nach ihr benannt ist.

Der Platz gegenüber vom Schauspielhaus ist ebenfalls nach ihr benannt und dort schaut sie als Skulptur auf den Ort, an dem sie über 50 Jahre in unzähligen Rollen aufgetreten ist. Und um die Ecke findet sich ihr Bild an einer Hauswand, als Pokestop heißt es übrigens Madame Rose.

Leider ist die Geburtszeit von Tana Schanzara nicht bekannt. Sie wurde in Kiel geboren und ist in Dortmund und Köln aufgewachsen. 1956 kam sie ans Schauspielhaus Bochum und blieb dort.


19. Dezember 1925, 12.00 Uhr (MEZ), Kiel, D
Datenquelle: Wikipedia, die Geburtszeit ist nicht bekannt

Mit Venus und Mond im Wassermann und einer Schütze-Sonne gesegnet, beherrschte sie die komischen Rollen, aber sie spielte auch oft genug Hauptrollen in ernsten und tragischen Stücken. Mit dem Regisseur Adolf Winkelmann hat sie gerne zusammengearbeitet, aber auch mit Detlef Buck oder Hermine Huntgeburth. Ihre Vielseitigkeit und ihr versierter Umgang mit Sprache ist mit mit einem rückläufigen Merkur in Schütze zu erklären. 1970 erschien übrigens ihre erste Schallplatte mit dem Song „Vatter aufstehn!“

In Bochum war sie überaus beliebt und geschätzt. Denn sie hat ihre Liebe zum Ruhrgebiet öffentlich zelebriert und ist ihrem Schauspielhaus treu geblieben. Claus Peymann soll nach seinem Wechsel von Bochum ans Burgtheater versucht haben, Tana aus Bochum nach Wien zu locken, vergeblich.

An ihrem 83. Geburtstag ist sie 2008 gestorben, in Bochum bleibt sie unvergessen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag!

Zwei Astrokalender für 2026

Viele Kolleginnen vermissen den Astrokalender Sternenlichter, der nun schon im zweiten Jahr nicht mehr erscheint. Petra Niehaus als Herausgeberin hatte sich entschieden, nach der 40. Ausgabe dieses Projekt zu beenden. Auch ich bedauere diese Entscheidung, kann sie aber gleichzeitig nachvollziehen.

Als Ersatz haben sich nun neue Möglichkeiten aufgetan. Neben dem Kalender von Markus Jehle hat Doris Häuschen aus der Schweiz einen ansprechenden Kalender im DINA5-Format entwickelt, der ähnlich wie Petras Kalender die täglichen Aspekte listet. Außerdem wird für jeden Tag das Horoskop mit Planeten und Aspekten für 0.00 Uhr des Tages anzeigt. Neben den klassischen Aspekten sind Halbsextile und Quincunxe aufgeführt.

Wer sich in der Astrologielandschaft ein wenig auskennt, wird schnell merken, dass die Autorin der Huber-Schule nahesteht. Seinerzeit von Bruno und Louise Huber als API (Astrologisch-Psychologisches Institut) gegründet, war diese Schule mit Sitz in Zürich einige Jahrzehnte sehr erfolgreich. Und die Hubers haben die Astrologie mit einigen Neuerfindungen bereichert.

Dazu gehört auf die Deutung der zahlreichen Aspektfiguren, die sich in einem Horoskop bilden könne, vor allem wenn die oben genannten Nebenaspekte einbezogen werden. Diese Figuren werden ebenfalls für jeden Tag aufgeführt und alle zusammen im Anhang in einer Übersicht mit ihren Namen vorgestellt.

Alles in allem stehen damit für die Astroprofis alle wichtigen Informationen des Tages auf einer Seite und das Format des Kalenders schenkt in der unteren Hälfte jeder Seite reichlich Platz für persönliche Einträge oder Terminplanungen.

Der Kalender ist optisch ansprechend gestaltet. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Nachteil: die Größe und das Gewicht, man mag diesen Kalender vielleicht nicht täglich mit sich herumtragen und lässt ihn  am besten gleich am Schreibtisch liegen. Auch noch erwähnenswert: im Newsletter von Birgit von Borstel las ich, dass es eine siderische Version geben wird, wenn sich genügend Interessierte melden.

Meine zweite Empfehlung ist der SonneMondKalender von Liliana Djordjevic, der wie der Name vermuten lässt den Schwerpunkt auf den jährlichen Zyklus von Sonne und Mond legt und diesen in einer ästhetischen und ansprechenden Form als Mandala präsentiert.

Der Kalender ist mit viel Liebe handgezeichnet und es gibt ihn als Poster und als Postkarte, Das Poster zeigt den ineinandergreifenden Zyklus von Sonne und Mond als spiralförmige Entwicklungslinie. Die Künstlerin selbst schreibt auf ihrer Website: „Man kann ihm viele oder nur wenige Informationen entnehmen oder ihn als Mandala auf sich wirken lassen. Er lädt ein, den Tanz von Sonne und Mond durch den Jahreskreis zu beobachten und eigenes zu entdecken und zu erfahren.“ Ein schönes Geschenk, das man sich selbst oder anderen Mond-Freundinnen machen kann.

Die Postkarte ist kein Kalender, die Info sind zu klein und auch mit Lupe nicht lesbar. Doch als ein farbiges Sonne-Mond-Mandala zum unschlagbaren Preis von einem Euro möchte ich ihn gerne empfehlen. Ich werde ihn zum Jahresende oldschool-mäßig sicher als Gruß an liebe Astro-Kolleginnen und Kollegen versenden.

 

Meridian mit Tierkreiszeichen in einer Kirche

Zu einer astrologischen Romreise gehört unbedingt der Besuch einer Kirche, die in der Nähe des Hauptbahnhofs Termini liegt. Es ist die katholische Santa Maria degli Angeli e dei Martiri, die im 16. Jahrhundert von Michelangelo umgebaut wurde. Vor dem Umbau war diese Kirche ein Teil der antiken Thermen, die der Kaiser Diocletian rund 300 Jahre n.Chr. bauen ließ.

Im rechten Seitenarm dieser Kirche befindet sich ein erstaunliches astronomisch-astrologisches Kunstwerk, die Linea Clementina, benannt nach Papst Clemens XI., der sie in Auftrag gab. Die Linie ist 45 Meter lang und aus  Bronze, von weiß-gelbem Marmor und den 12 Tierkreiszeichen umgeben.

Durch eine kleine Öffnung hoch oben in der Wand fällt ein Sonnenstrahl genau auf diese Linie und wandert im Laufe des Jahres den Meridian entlang. Damit wird die Frühlings-Tag und Nachtgleiche exakt angezeigt. Im Kirchenjahr ist dieser Tag wichtig zur Bestimmung des Osterfests, das bekanntlich immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond stattfindet. Zur Sonnenwende fällt der Lichtstrahl genau auf das Zeichen Krebs.

Es ist beeindruckend, wie präzise diese Messlinie vor über 300 Jahren in den Fußboden der Kirche eingearbeitet wurde. Am 6. Oktober 1702 wurde der Meridian eingeweiht und kann seither von allen Besuchern dieser Kirche besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Linea Clementina. 6. Oktober 1702, 11.50 Uhr (LMT), Rom, I
Datenquelle: Handout Roma Eterna 2 von Ernst Ott

Das Horoskop am Tag der Einweihung, hier mit einer hypothetischen Zeit um 12 Uhr mittags, zeigt einen Vollmond auf der Widder-Waage-Achse und eine weite Konjunktion von Saturn und Neptun (mit Jupiter) im Widder, ein hoffnungsfrohes Zeichen für die im Februar 2026 stattfindende exakte Konjunktion dieser beiden Langsamläufer auf 0 Grad Widder.

Über Planetenverkäufer und eine wunderbare Geschichte

Astrologie-Ausbildungen sind nicht nur für Astrologie-Schülerinnen spannend und lehrreich. Ich lerne in jeder Astrologie-Gruppe von den Menschen, die zu mir kommen. Ihre Horoskope werden im Laufe der Zeit lebendig und sie erzählen von Dingen, die ich noch nicht kannte und wusste. Ingrid Kellner nahm an meiner ersten Online-Astrologieausbildung teil und von ihr hörte ich zum ersten Mal, dass es in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts Planetenverkäufer gab.

Sie verkauften Glücksbriefe, die Planeten genannt wurden. Diese lagen in einem Kasten und wurden von einer dressierten Maus oder einem Papagei für den Käufer aus dem Kasten gezogen. Die Briefe enthielten Losnummern, mit denen man an einer Lotterie teilnehmen konnte. Vereinzelt wurden aber auch Horoskope verkauft. Heute ist dieser Beruf ausgestorben, schade!

Doch Ingrid, die als Illustratorin und Autorin arbeitet, hat ihnen ein Denkmal gesetzt und eine lustige und anrührende Geschichte über den Planetenverkäufer Hanse geschrieben. Die Planetengötter, allen voran Merkur und Jupiter, der gemeinsam mit Merkur das Glücksspiel regiert, spielen hier eine zentrale Rolle. Doch alle anderen Planeten eines Horoskops, sogar Chiron, kommen ebenfalls vor, außerdem Athene, Hestia und die drei Schicksalsgöttinnen, die bekanntlich mächtiger als der oberste Gott im Olymp sind. Sie alle begeben sich nach Bayern, genauer nach Weilheim und begegnen dort im Jahr 1951 den Menschen in dieser Kleinstadt.

Man ahnt es, die Autorin verarbeitet ihre eigenen Erfahrungen als Kind in der Nachkriegszeit. Der Hanse ist übrigens seines Zeichens Jungfrau, er ist am 21. September 1928 zur Welt gekommen, seine Geburtszeit wird nicht genannt, aber selbstredend steht er unter dem Schutz Merkurs. Obwohl er  in den letzten Kriegstagen sein Bein verlor und an Krücken durch die Gegend humpelt und sich dann auch noch unglücklich verliebt .

Doch die ganze Geschichte, in der die Planeten eine zentrale Rolle spielen und die Handlung vorantreiben, nimmt ein Happy End und mehr soll hier nicht verraten werden. Ich habe beim Lesen viel Spaß gehabt, denn sowohl die Götter als auch die Menschen werden mit viel Humor, Fantasie und Liebe treffend charakterisiert.

Das Buch kann direkt bei Ingrid Kellner bestellt werden, ist aber auch im Buchhandel für 11,90 Euro zu bekommen: Ingrid Kellner Der Planetenverkäufer oder die Götter in Bayern. Die ISBN-Nummer lautet 9783-7693-1814.2. Wer nicht bei Ingrid bestellen möchte, sollet dies im örtlichen Buchhandlung tun, bitte nicht bei Amazon. Jeff Bezos ist reich genug.

Bildquelle: Das Foto eines Wiener Planetenverkäufers ist von Emil Mayer und in der Wikipedia als gemeinfrei verzeichnet.

 

Judy Chicago in der Kunsthalle Recklinghausen

Noch bis zum kommenden Wochenende ist eine großartige und faszinierende Ausstellung in der Kunsthalle in Recklinghausen zu sehen. Die amerikanische Künstlerin Judy Chicago stellt einen großen Teil ihres Werks unter dem Titel „Revelations“ aus.


Zum Finissage Wochenende heißt es Eintritt frei am Samstag und am Sonntag um 11 Uhr gibt es nochmal eine öffentliche Führung, die für die Arbeiten dieser Künstlerin sicher empfehlenswert sind.

Judy Chicago studierte Kunst in Chicago und bemerkte relativ früh während ihres Studiums, dass Frauen in der Kunst extrem unterrepräsentiert sind und dass sie auch bei modernen Künstlern nur schmückendes Beiwerk sind oder als Muse dienen dürfen.

In den siebziger Jahren entstand ihr bahnbrechendes Werk, die „Dinner Party“. 39 Frauen aus der westlichen Geschichte werden an einer dreieckigen Tafel versammelt und die Tischplätze mit klassisch-weiblichem Kunsthandwerk in Szene gesetzt, nämlich mit kunstvoll bestickten Läufern und Keramiktellern.

An diesem Projekt waren rund 400 Frauen über fünf Jahre beteiligt. Heute ist diese Installation dauerhaft in einen Museum in Brooklyn zu sehen. In Recklinghausen kann man ein unterhaltsames Video über die Entstehung der Dinner Party anschauen.

Das Plakat Rainbow-Warrior, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, hat sie 1980 für Greenpeace entwickelt, für das gleichnamige Schiff, das Teil zahlreicher Kampagnen dieser Organisation war.

Themen wie der Schutz des Lebens und des Klima, die Geburt und das Gebären und die Rolle der Frauen in der Geschichte prägen ihr Werk bis heute. Sie ist eine feministische Ikone und ein echtes Role Model für junge Künstlerinnen.

Judy Chicago, 20. Juli 1939, 12.00 Uhr (CDT), Chicago, USA
Datenquelle: Wikipedia, die Uhrzeit ist nicht bekannt

Chicago ist eine mutige Frau, das zeigt sich in einer Mars-Pluto-Opposition und Pluto auf dem ersten Grad im Löwen steht noch nahe genug bei der Krebs-Sonne, so dass es nicht verwundert, wie unerschrocken sie sich seit nunmehr über 50 Jahren für die Interessen und Themen der Frauen und der Natur einsetzt.

Da ihre Geburtszeit nicht bekannt ist, habe ich das Horoskop in guter alter Tradition für 12 Uhr mittags erstellt. Selbst wenn ihr Mond keine genaue Konjunktion zu Neptun bilden sollte, kann man sich gut vorstellen, wie Neptun einerseits uns Uranus andererseits Inspiration schenken und Flügel verleihen, damit die starken Spannungen durch das geschlossene Quadrat konstruktiv gelebt werden können.

ich empfehle allen Ruhrgebiets-Astrofreundinnen die Chance zu nutzen und einen Ausflug nach Recklinghausen zu machen, um diese Ausstellung zu sehen. Die vielen verschiedenen Arbeiten und Videos lassen gerade in schwierigen Zeiten die Zuversicht wachsen und sprechen Mut zu, nicht aufzugeben und sich die schönen Dinge des Lebens einzusetzen.